Im Kapitel "Männersprache, Frauensprache - Schreiben mit Witz und Verstand" des Lehrbuchs "Deutschbuch 9, Neue Ausgabe " steht ein Auszug des Roman "Die Töchter Egalias" der norwegischen Schriftstellerin Gert Grantenberg. Hier werden die üblichen Geschlechter-Clichés auch sprachlich auf den Kopf gestellt. Madeleine Krier (9m1) hat dieser Auszug zu einer interessanten Fortsetzung inspiriert.

 

 

Fortsetzung des Romanausschnittes „Die Töchter Egalias“ (1977) 

 

[...] „Hier steht etwas Merkwürdiges in der Zeitung, mein Lieber. Ein neues Buch ist auf dem Markt: „Die Emanzipation des Mannes“. „So ein Quatsch!“ Tief gekränkt von dieser Äußerung reckt sich Petronius auf seinem Platz. „Da hast du es! Ich werde Seefrau, ganz nach den Heldinnensagen. Frauen erobern die See und besiegen die wildesten und bösesten Seeungeheuer.“

 

Der Direktorinnengatte kommt mit rauschendem Bademantel herbei. „Wie schön Petronius, endlich ein handfestes Zukunftsbild. Die geborene Seefrau!“ Der eine Lockenwickler rutscht aus den Barthaaren und fällt in die ausgeschenkte Teetasse.

 

Die Zeitung wird empört auf den Tisch geknallt und das puterrote Gesicht der Direktorin erscheint. „Was fällt dir ein, liebster Gatte! Du unterstützt auch noch diese törichte Entscheidung unseres Petronius! Ach was rede ich denn noch über dieses Thema. Schluss aus! Keine Gedanken mehr an die Seefrau und fisch bitte den Lockenwickler aus meiner Tasse!“ Sichtlich genervt, dass dam ihr Gemüt so erhitzt hat, nimmt die Direktorin die Zeitung in die Hand und liest kopfschüttelnd den Bericht über die „Emanzipation des Mannes“ weiter.

 

Ba schaut fragend in die Runde. „Emanzipation? Darf Petronius dann ohne PH durch die Gegend laufen und trotzdem Seefrau werden?“ Prusten aus der Küche. Der Herr Direktorinnengatte kehrt mit einer frischen Tasse Kaffee zu seiner Liebsten zurück. „Nein Ba. Das bedeutet, dass Petronius und ich, also im Grunde alle Männer mehr gefördert werden sollen. Das ist auch wichtig, denn die Frauen wie du und Mama seid sehr dominant und ...“ “Mein Liebster! Das geht zu weit und hör auf mit Ba zu wibschen. Kümmere dich lieber um Petronius. Er braucht einen PH. Aber dalli! Und es wäre an der Zeit ihn mit den männlichen Pflichten vertraut zu machen.“

 

Es wird ganz still im Raum. Petronius, der puterrot ist, starrt entgeistert zu Boden. Solch ein „Gewibsch“ ist ihm sichtlich peinlich. Deshalb versucht er einen neuen Anlauf.

 

„Aber Mama! Ich muss ja nicht Seefrau werden. Taucherin würde doch auch gehen. Ich wäre...“

 

„Mein lieber Petronius!“, der Schädel der Direktorin drohte zu explodieren. „TAUCHERIN? Bist du denn ganz von Sinnen. Solch ein Beruf ist nichts für dich. Was sollte deiner Meinung nach in die Ausbuchtungen im oberen Teil des Tauchanzugs? Oder wie willst du deinen gepolsterten PH zwischen den Beinen unterkriegen?“ Fragende Blicke untereinander.

 

Ba und der Direktorinnengatte stehen nur verdutzt da und hören sich das Gespräch mit großen Augen an. Die Direktorin selbst starrt mit böse funkelnden Augen ihren Petronius an, dem die Puterröte schon bis zu den Ohren gestiegen ist. „Aber Mama. Ich will einen Beruf ausüben und Taucherin ist der Beste! Den PH kann ich ja auslassen. Unter Wasser sieht das ja niefaud.“, nuschelt Petronius in sich hinein.

 

„Nein Petronius. Wenn du keinen PH, auch Unterwasser, anhast, dann sieht es ja aus, als wärst du nackt! Welch eine Schande! Die Diskussion ist hiermit beendet!“